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FLIP #48

Wie konnte Fynn Kliemann den Nachhaltigkeitspreis gewinnen?

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Wie wichtig ist der Deutsche Nachhaltigkeitspreis?

Nüchtern betrachtet sind es natürlich nur ein paar nette Worte, etwas Applaus und eine Metallkugel. Aber als der Influencer Fynn Kliemann grinsend den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in die Luft stemmt, ist das mehr als nur ein Moment der Freude inmitten der Pandemie. Es ist, als hätte eine höhere Instanz bestätigt, dass seine Unternehmungen nachhaltig sind. Schließlich ist es nicht irgendein Nachhaltigkeitspreis, den er da bekommt, es ist der Nachhaltigkeitspreis schlechthin. 

Steht die Preisverleihung an, pilgern über tausend Menschen nach Düsseldorf ins Maritim-Hotel, wegen der Nachhaltigkeit, und ein bisschen auch wegen der Show. Wo sonst bekommt Pop-Sängerin Billie Eilish eine Laudatio aus dem Weltall, wie vergangenes Jahr, als dafür extra ein Astronaut von der Raumstation ISS zugeschaltet wurde? Und wo trifft man schon den Schauspieler Nicolas Cage und die Fantastischen Vier auf derselben Veranstaltung? Nachhaltigkeitspreisverleihung, das klingt nach ernsthafter Langeweile, in Düsseldorf singen Nelly Furtado oder Cat Stevens, es gibt Garnelen-Carpaccio und Weltstars spazieren im Blitzlicht-Strobo der Fotografen über den roten Teppich, der seit 2018 blau und aus recycelten Fischernetzen gefertigt ist. Über sich selbst sagt der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP), man sei “Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement”. Man könnte auch sagen: Er ist so etwas wie der Oscar der Nachhaltigkeit. 

Das DNP-Siegel soll den Unternehmen einen "Vorsprung im Markt" verschaffen.  Foto: Screenshot DNP-Website

Wenn man diesem Preis selbst einen Preis verleihen wollen würde, dann wohl dafür: Er hat das Nischenthema Nachhaltigkeit auf die große Bühne gebracht. Damals, 2008, als der Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator Stefan Schulze-Hausmann den Preis ins Leben rief, gab es noch kein Fridays for Future und kein Pariser Klimaabkommen. Es gab den Klimawandel und zu wenige Unternehmen, die ihm Beachtung schenkten. Der Preis entfachte Aufmerksamkeit für ein vernachlässigtes Thema, ehrte Menschen, die gegen den Strom für eine gute Sache kämpften. 

Sogar die Bundesregierung arbeitet mit dem Nachhaltigkeitspreis zusammen, finanziert einzelne Auszeichnungen und betrachtet den Preis als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. Die Schirmherrschaft übernehmen in der Regel prominente Politiker:innen, allein viermal die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine Umfrage der Universität Hohenheim ergab 2017, dass der Nachhaltigkeitspreis für deutsche Unternehmen die bekannteste und begehrenswerteste grüne Auszeichnung ist.

Kein Wunder also, dass die Unternehmen sie gerne zur Schau stellen. Gewinner:innen, Nominierte oder Finalist:innen können ein entsprechendes Siegel gegen eine “Lizenz- und Bearbeitungsgebühr” erwerben, in der Kategorie Design kostet es für Unternehmen zwischen 500 und 3000 Euro, je nach Größe des Unternehmens. Dafür verspricht der Deutsche Nachhaltigkeitspreis den Unternehmen “einen Vorsprung im Markt”. Und das stimmt wahrscheinlich auch. Das Logo des Preises signalisiert den Kund:innen: Seht her, wir sind wirklich nachhaltig!

94,9 Prozent

aller befragten Unternehmen gaben 2017 bei einer Umfrage der Universität Hohenheim an, den Deutschen Nachhaltigkeitspreis zu kennen. Damit ist er der bekannteste Nachhaltigkeitspreis Deutschlands. 

Lässt sich der DNP zu leicht hereinlegen?

Im Fall von Fynn Kliemann war das ein falsches Signal. Zu Beginn der Pandemie fing der Influencer an, im großen Stil Schutzmasken herzustellen. Im Shop bewarb er sie als “fair produzierte, wiederverwendbare Mundbedeckungen aus Europa”. Eine Maske koste “1/10 von den überteuerten Profitgeiern”. Als ein Team um den Satiriker Jan Böhmermann dann in diesem Mai aufdeckte, dass Kliemann einen Teil der Masken wohl weder fair noch in Europa herstellen ließ, zog der Nachhaltigkeitspreis die Auszeichnung wieder zurück. “Fynn Kliemann hat uns hereingelegt”, so Stefan Schulze-Hausmann, der Initiator des Preises.

Die Frage ist, ob es nicht vielleicht auch zu einfach war, den Nachhaltigkeitspreis hereinzulegen? Im vergangenen Jahr veröffentlichten ZEIT Online und Flip eine kritische Recherche zu den Nachhaltigkeitsversprechen des Putzmittelherstellers Everdrop – auch dieses Unternehmen wurde zuvor 2020 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Got Bag, ein Hersteller von Rucksäcken aus Meeresplastik, schaffte es ein Jahr später immerhin bis unter die Finalist:innen. Nach Recherchen von ZEIT Online und Flip hatte das Start-up zuvor mit falschen Zahlen geworben. Da fragt man sich natürlich auch als Journalist:in: Warum kommt der Deutsche Nachhaltigkeitspreis zu so anderen Ergebnissen? Wie wählt er seine Gewinner:innen und Finalist:innen aus? Wie überprüft er deren Angaben? Diesen Fragen sind ZEIT Online und Flip an den Beispielen von Kliemann, Everdrop und Got Bag nachgegangen.

Immer eine große Show: Die Verleihung des DNP in Düsseldorf.  Foto: Christian Koester / Dariusz Misztal 

Natürlich handelt es sich um nur drei Fälle – unter hunderten von Finalist:innen und Sieger:innen, die der Nachhaltigkeitspreis seit seiner Gründung ausgezeichnet hat, darunter Start-ups, mittelständische Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, aber auch Konzerne wie Unilever, TUI oder ENBW. Es wäre unfair, dem Nachhaltigkeitspreis auf dieser Basis Greenwashing vorzuwerfen. Schon die drei Fälle aber zeigen, dass sich kaum nachvollziehen lässt, wie der Preis zu seinen Urteilen kommt. Und sie werfen grundsätzliche Fragen auf: Wie lässt sich Nachhaltigkeit überhaupt bewerten und von Greenwashing unterscheiden? Sollte man Unternehmen glauben oder muss man jede Zahl aufwändig überprüfen? Und was können Institutionen wie der Nachhaltigkeitspreis dabei leisten? 

Klar ist: Der Nachhaltigkeitspreis sieht sich vor allem als Verstärker guter Ideen. Jedes Jahr vergibt er diverse Auszeichnungen in unterschiedlichen Kategorien. Hinzu kommen Veranstaltungen mit Co-Hosts wie Coca Cola oder Nespresso, die nicht unbedingt als Vorreiter in Sachen Umweltschutz bekannt sind. “Bei den Preisträgern”, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, “sind sicher viele gute Projekte dabei. Was mich aber stört, ist die kommerzielle Ausrichtung. Der Preis wirkt wie eine Werbeveranstaltung für Unternehmen.”

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