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Sneakerjagd – Episode 5

Episode 5: Aus dem illegalen Container in den Togo

Im Togo verenden alte Sneaker auf der Straße, manchmal werden Schlaglöcher mit ihnen gestopft
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In dieser Folge geht es um zwei Paar Schuhe, die der Moderatorin Janin Ullmann und die der Musikerin Marie Curry von Neonschwarz. Beide sind tausende Kilometer weit gereist, das eine nach Guinea, das andere in den Togo. Obwohl wir sie in Entsorgungskanäle gegeben haben, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sind sie also beide in Westafrika gelandet. Wie aber sind sie dort hingekommen und was ist mit ihnen passiert? Und macht es überhaupt einen Unterschied, wo man seine alten Schuhe abgibt? Um diese Fragen geht es in dieser Folge.

Die Reise nach Togo

Die alten Rebooks von Marie Curry, die zur Hamburger Hip-Hop-Gruppe Neonschwarz gehört, sind “schon ordentlich abgerockt”, wie Marie Curry es zu Beginn der Sneakerjagd ausdrückt. Ihr Bandkollege Captain Gips sagt: “Ich hätte gedacht, dass sie einfach hier in Hamburg-Stellingen in der Müllverbrennungsanlage landen und da ein Ende finden.” 

Marie_Einwurf
In diesen ziemlich ranzigen Altkleider-Container in Hamburg werfen wir die alten Sneaker von Marie Curry.

Der Altkleider-Container, in den wir die alten Sneaker einwerfen, steht in Hamburg-Altona, sehr zentral vor einem Supermarkt. Wer ihn aufgestellt hat? Auf dem besprühten, schon ziemlich ranzigen Container klebt ein Zettel von “kragetex.internationa.trading” mit einer E-Mail-Adresse. Weder bei Google noch im Handelsregister allerdings findet man eine Firma mit diesem Namen. Wir schreiben an die E-Mail – und bekommen die Nachricht, dass sie nicht zugestellt werden konnte. Später fragen wir bei der Stadt Hamburg nach und erfahren, dass der Container dort eigentlich gar nicht stehen dürfte. Er ist illegal.

Umso gespannter sind wir, wohin die Schuhe von hier aus reisen werden…

Von diesem Industriehof erhalten wir ein Signal. Doch es ist nur eine Zwischenstation...

Nach zwölf Tagen des Wartens setzen sich die Schuhe von Marie Curry in Bewegung. Wir erhalten ein Signal aus einem Industriegebiet bei Barsbüttel, etwas nordöstlich von Hamburg. Das ist aber ist nur eine Zwischenstation. Der Schuh bewegt sich schnell weiter in die kleine Gemeinde Algermissen, südlich von Hannover. Hier befindet sich die Abadi Export GmbH, die laut ihrer Website “im Bereich der Schuhsortierung eine marktführende Stellung in Europa einnimmt”. Sie bietet karitativ-kirchlichen Organisationen, kommunalen Entsorgern und gewerblichen Sammelunternehmen eine “Zusammenarbeit auf hohem Niveau an.”

Später telefonieren wir mit einem der Geschäftsführer, Anis Abadi. Er ist sehr offen und erzählt, dass er Lieferanten aus ganz Deutschland habe, dazu gehöre auch das Deutsche Rote Kreuz. Die Namen der vielen anderen Container-Inhaber und Zwischenhändler kenne er meist nicht. Dass es illegal aufgestellte Container gebe, weiß er und spricht von “schwarzen Schafen in der Branche”, von denen man Abstand nehme sobald man davon erfahre. Zumindest in unserem Fall aber ist die Ware aus dem illegalen Container bei ihm gelandet.  

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Später telefonieren wir mit einem der Geschäftsführer, Anis Abadi. Er ist sehr offen und erzählt, dass er Lieferanten aus ganz Deutschland habe, dazu gehöre auch das Deutsche Rote Kreuz. Die Namen der vielen anderen Container-Inhaber und Zwischenhändler kenne er meist nicht. Dass es illegal aufgestellte Container gebe, weiß er und spricht von “schwarzen Schafen in der Branche”, von denen man Abstand nehme sobald man davon erfahre. Zumindest in unserem Fall aber ist die Ware aus dem illegalen Container bei ihm gelandet.  

Die Abadi Gmbh sortiert die Lieferungen in verschiedene Qualitäten, die beste verkauft sie auf Ebay, die zweitbeste nach Russland, den Rest in den mittleren Osten, nach Pakistan und vor allem nach Afrika. Nach Uganda, sagt Abadi, verschiffe man 35 bis 40 Container im Jahr, nach Kenia zwölf, in den Togo, nach Sambia und Mosambik jeweils fünf. Jeder Container enthält rund 40.000 Paar Schuhe. Rechnet man das zusammen, verschifft allein die Abadi GmbH jedes Jahr ungefähr 2,5 Millionen Paar Schuhe nach Afrika.

Nach Afrika gehen also nicht nur die meisten unser alten Schuhe, sondern auch die, die sonst keiner mehr haben will.

Hier landen die alten Sneaker von Marie Curry – und werden sortiert. In welche Kategorie sie fallen, entscheidet über ihre weitere Reise... Bild: Screenshot von der Website der Abadi Export GmbH

Auch Abadi spürt den Trend zu Fast Fashion. Mode wird immer schneller und billiger produziert, ihre Qualität immer schlechter. Was bei Abadi ankommt, erzählt er, könne man zu immer größeren Teilen nur noch in die Verbrennung geben, Geld aber verdient er nur mit dem Weiterverkauf. Gleichzeitig, so Abadi, stiegen die Löhne und die Preise, die Städte und Kommunen für die Aufstellung von Containern verlangten.

»Wenn das so weitergeht, werden die Altkleider-Strukturen in Deutschland zusammenbrechen.«

Anis Abadi

So ähnlich hatte uns das in Folge #2 der Sneakerjagd auch schon Thomas Böschen gesagt, der Chef des Textilrecyclers Texaid. Wenn immer mehr Schuhe und Klamotten in immer schlechterer Qualität produziert und dann in Altkleidertonnen geschmissen werden, lohnt sich irgendwann nicht einmal mehr das Sortieren. Das ganze System drohe zu kollabieren.

Und die Schuhe von Marie Curry? Schaffen es immerhin noch in die Afrika-Qualitätsstufe. Nur ein paar Tage, nachdem die Schuhe bei den Abadis angekommen sind, kriegen wir ein Signal aus dem Hamburger Hafen, nicht weit von der Köhlbrandbrücke. Die Schuhe sind zurück in der Stadt, in der wir sie eingeschmissen haben – und werden von hieraus verschifft.

Christian von Flip folgt den Signalen der Schuhe in den Hamburger Hafen.

Nun verlieren wir den Kontakt zu den Schuhen. Aus einem verschlossenen Schiffscontainer können sie nicht senden. Wohin die Reise geht? Wir wissen es nicht. Ein bisschen nervös sind wir auch. Werden die Tracker auch irgendwo aus Afrika noch verlässlich senden? Halten die Akkus noch durch?
 
Zunächst bekommen wir ein Signal aus Gibraltar. Hier werden die Schuhe wohl aber nur umgeladen. Am 12. August ist es soweit. “Tadadadaaa, da isses, das erste Signal aus Afrika!”, schreibt Christian von Flip an alle an dem Projekt beteiligten Journalist:innen. Es kommt aus dem Hafen von Lomé, der Hauptstadt des Togo. Die Sneaker sind mehr als 5000 Kilometer gereist.

Im Hafen liegen die Schuhe erstmal ein paar Tage rum. Das ist normal. Die Zollformalitäten müssen erledigt werden. Dann aber setzen sie sich in Bewegung.  Wir kriegen ein exaktes GPS-Signal. Und dann noch eines. Aber von Hamburg aus können wir sie nur sehr begrenzt deuten. Wir brauchen Verstärkung vor Ort! Und das am besten schnell, so lange die Schuhe noch Akku haben. Also kontaktieren wir Séraphine, einen freiberuflichen Journalisten, der in Lomé lebt und arbeitet – und bereit ist, uns bei der Sneakerjagd zu unterstützen.

Séraphine folgt den Signalen der Sneaker von Marie Curry in Lomé

Séraphine fährt zu unserem ersten GPS-Signal. Es kommt aus dem Akodessewa-Viertel. Es ist bekannt für seine Handel mit gebrauchten Autos, aber auch für seinen “Fetischmarkt”, der als größter Voodoo-Markt der Welt gilt.  Es werden vor allem Schädel, getrocknete Köpfe und Felle verschiedener Tierarten für Rituale gehandelt und Beschwörungen angeboten. Was aber machen unsere Schuhe in dem Viertel? Das GPS-Signal führt Séraphine nicht auf den Markt, sondern zu einer eher unscheinbaren Handelsfirma. Seine Vermutung: Die Schuhe werden hier nur zwischengelagert – und dann an einen Schuhhändler weiterverkauft.

Von hier kommt das erste GPS-Signal aus Lomé

Und tatsächlich: Die Schuhe bleiben hier nicht lange. Sie reisen weiter in den Stadtteil Hedjranawoé, dessen Markt für Second-Hand-Kleidung bekannt ist. Auf ihm bieten vor allem Nigerianer:innen Schuhe und Kleidung an. Noch haben unsere Schuhe den Markt aber nicht erreicht. Das Signal kommt aus der Halle eines Händlers. Hier werden die Schuhe erst einmal in verschiedene Qualiäten sortiert.

Von hier kommt das zweite GPS-Signal aus Lomé.

Séraphine ist dabei, als die Schuhe sortiert werden. Dass er einen Schuh mit GPS-Sender sucht, kann er den Händlern aber schlecht erzählen. Sie könnten es für Spionage halten und in Panik geraten, befürchtet Séraphine. Also erzählt er ihnen bloß, er würde sich für ihre Arbeit interessieren. Unseren Schuh findet er nicht. In der Halle befinden sich einfach zu viele. Aber seht selbst, das folgende Gif vermittelt Euch einen ganz guten Eindruck:

Die Sneaker von Marie Curry hier zu finden? So gut wie unmöglich...
Wie haben uns mit Marie Curry dort getroffen, wo alles begann: Am illegalen Container in Hamburg-Altona.

Als wir mit Marie Curry nach Ende der Togo-Recherche nochmal zu dem illegalen Container in Hamburg-Altona gefahren sind, haben wir eine Überraschung erlebt: Der Container steht nicht nur immer noch dort, er sieht auch noch viel schlimmer aus. Irgendwer hat versucht, ihn anzuzünden, er ist völlig verkohlt. Zusammengehalten wird er notdürftig durch Klebeband.

Und die Sneaker von Janin Ullmann?

Janin_Ulmann_Freisteller

Hier sind die New Balance bei einem italienischen Großhändler gelandet, der sie von der Deutschen Kleiderstiftung gekauft hat. Er ist einer der Händler, mit der die Organisation zusammenarbeitet. Er erzählt uns, dass seine Firma jeden Tag 20 Tonnen an Kleidung und Schuhen sortiert. Von hier gehen die Sneaker von Janin Ullman nach Afrika. Die letzten Signale bekommen wir aus Guinea.

Am Ende sind also auch die Schuhe von Janin Ullmann in Afrika gelandet – genau wie die von Marie Curry. Vielleicht zahlen karitative Organisation und ihre Partner bessere Gehälter, auch finanzieren sie mit dem Erlös oft soziale Projekte. Vom Ende der Reise her gedacht scheint es aber keinen großen Unterschied zu machen, ob man die Schuhe bei einem hochseriösen Player wie der Deutschen Kleiderstiftung abgibt – oder ob man sie in einen illegalen Container wirft. 

Was die vielen Schuh-Exporte für Afrika bedeuten? Darum geht es in der nächsten Folge der Sneakerjagd.

Learnings aus Episode #5

1. Die meisten Schuhe gehen nach Afrika. Es sind auch die schlechtesten.
2. Illegaler Container oder soziale Organisation: Der Weg der Schuhe ist ähnlich.
3. Wer wie Zalando nur die besten Schuhe herauspickt, schadet dem System.

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