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Das Nationaltrikot und seine Geheimnisse

Von Sebastian Kempkens, Christian Salewski, Greta Taubert
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Ein Trikot soll das Meer retten

Für manche Fußballfans ist es fast schon ein Heiligtum: Das Deutsche Nationaltrikot. Jetzt, da die WM in Katar begonnen hat, hängt es in Sportgeschäften überall auf der Welt. Es ist aber mehr als ein schickes Stück Stoff für den Fußballplatz: Die “Performance-Version” des WM-Trikots, das auch die Spieler auf dem Platz tragen, soll besonders nachhaltig sein. 

Am Trikot der “Performance-Version” findet sich ein QR-Code. Ruft man den Code auf, sieht man Bilder, die den Betrachter in eine weit entfernte Welt geleiten. Meereswellen rauschen gegen einen Felsen, die Kamera rast über einen Strand, über Plastikmüll. Eine Nähmaschine zieht eine Naht. Dann taucht ein Slogan auf: “End Plastic Waste”. Beendet die Plastikverschmutzung.

Kaum einer der großen Sportartikelhersteller brüstet sich so sehr mit seinem Kampf gegen Plastikmüll wie Adidas. Egal ob auf seiner Website oder in seinen Läden, fast überall wirbt Adidas damit, was man alles tue, um die Umwelt zu schützen. Als erster Sportartikelhersteller will das Unternehmen bis zum Jahr 2024 nahezu vollständig auf recyceltes Polyester umsteigen. Das Prinzip, auf das es dabei setzt, klingt so einfach wie genial. Ein großer Teil der Adidas-Produkte besteht aus Polyester. Das lässt sich neu herstellen, dafür braucht man Rohöl. Polyester lässt sich aber auch herstellen, indem man altes Plastik recycelt.

Mit dem Nationaltrikot hebt der Konzern dieses Engagement auf die größtmögliche Bühne. Auch wenn es in Europa gerade viel Kritik gibt an dieser WM – für Adidas ist sie ein “brand moment”, wie sie das intern nennen. Der Moment, auf den es ankommt, um der Marke zum großen Auftritt zu verhelfen. Für das vierte Quartal hoffe man auf einen Umsatzanstieg “im zweistelligen Prozentbereich”, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. “Treiber dieses Wachstums”, unter anderem: das Turnier in Katar.

Das Nationaltrikot, das die Spieler tragen, soll besonders nachhaltig sein. Foto: Lorenz Jeric

Schaut man sich den Halsausschnitt der “Performance-Version” genauer an, dann sieht man, dass neben dem QR-Code etwas steht: Dieses Trikot sei mit Ozeanplastik hergestellt. Die bekannteste Polyesterart heißt Polyethylenterephthalat, kurz PET. Warum nicht PET-Flaschen aufsammeln, damit sie nicht die Ozeane vermüllen, und sie recyceln, um daraus Sportmode zu produzieren?

Schon jetzt verkauft Adidas unzählige Produkte aus recyceltem Plastik. Trainingshosen, Laufschuhe, Kapuzenpullover, kaum etwas, das es nicht als recycelte Variante gäbe. Auch die “Fan-Version” des deutschen Nationaltrikots besteht vollständig aus recycelten Materialien. Aber nicht, wie die “Performance-Version”, aus Ozeanplastik – die Sache mit den Meeren erscheint als Krönung der Recycling-Strategie, als ein besonders einprägsames Symbol dafür, wie der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt versucht, nachhaltig zu werden.

Einige Mitarbeiter von Adidas würden sagen: vortäuscht, nachhaltig zu werden.

Wir, ein Team von Flip und der ZEIT, haben versucht herauszufinden, wie aus altem Plastik ein Kleidungsstück wird, das Fans der deutschen Fußballnationalmannschaft kaufen, ein Trikot, in dem Thomas Müller, Leon Goretzka und die anderen in Katar auflaufen. Wir sprachen mit mehreren Adidas-Mitarbeitern. Und wir bekamen interne Dokumente zugespielt, von Informanten, die nicht länger mit ansehen wollten, was sich hinter der Erzählung von der Nachhaltigkeit in Wahrheit verbirgt.

Auf seiner Website wirbt Adidas mit dem Slogan "End Plastic Waste". Foto: Screenshot Website Adidas

Wo kommt das Plastik für das Trikot her?

Wenn es einen Ort gibt, der für den Anspruch des Weltkonzerns Adidas steht, Gutes zu tun, dann ist das Malé, die Hauptstadt der Malediven. Sieben Jahre ist es her, dass Adidas eine Kooperation mit der Umweltorganisation Parley for the Oceans schloss, was so viel heißt wie “Verhandlung für die Meere”. Gegründet wurde sie von dem deutschen Designer Cyrill Gutsch. Ihr Ziel: die Rettung der Weltmeere. Wie es erreicht werden soll, kann man in Malé beobachten. 

Das Plastikzeitalter hat auch die Malediven nicht verschont. Davon geben all die Plastikflaschen, Plastiktüten und Plastikkanister Zeugnis, die an die Küsten gespült werden und zwischen Muscheln, Korallenstücken und Kokosnussschalen herumliegen. Cyrill Gutsch hat diesen Staat, der aus knapp 1200 Inseln besteht, zur “Future Island Nation” ausgerufen, zu einer Art Vorzeigeregion.

Ziemlich viele Projekte von Parley for the Oceans gibt es hier schon. Man kann auf den Malediven Ferienresorts besuchen, die ihren Plastikmüll in weißen Säcken entsorgen und diese dann an Parley übergeben. Man kann Schulkinder treffen, die in ihrer Freizeit Plastikflaschen sammeln, um den Parley-Wettbewerb zu gewinnen. Man lernt dabei, dass “Ozeanplastik” ein eher vager Begriff ist. Wer ihn zuerst hört, denkt an Plastik, das aus dem Meer gefischt worden ist. In Wahrheit sind damit auch PET-Flaschen gemeint, die an Land abgefangen werden, in der Nähe der Küste, bevor sie das Meer erreichen. Der Müll aus dem Wasser ist oft zu dreckig, um nur daraus in großen Mengen Textilien herzustellen.

Ökologisch gesehen ist der Unterschied nicht riesig: Auf vielen Inseln der Malediven gibt es keine richtige Müllentsorgung. Durchaus wahrscheinlich also, dass die Flaschen, die in den Ferienresorts und anderswo auf den Inseln gesammelt werden, am Ende ins Meer gelangt wären. All dieses Plastik recyceln Adidas und Parley for the Oceans gemeinsam, und daraus entsteht dann Polyester.

Das also ist die Geschichte, die Adidas erzählt, mit den Bildern, die jeder Käufer sieht, wenn er den QR-Code aufruft, und mit zahlreichen aufwendig inszenierten Videos, in denen Menschen an tropischen Stränden Flaschen aufsammeln. Es ist eine Geschichte, die wie ein Gruß aus einer besseren Welt wirkt. Und wenn es nach Adidas ginge, wäre sie an dieser Stelle wohl zu Ende. Dabei fängt sie hier erst an.

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