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FLIP #30

Wie fair kann eine Computermaus sein?

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Was Dich hier erwartet:


Was ist das Problem?

Die Bedingungen, unter denen unsere Elektrogeräte hergestellt werden, sind schlecht. Für viel Aufsehen hat etwa die Selbstmordserie unter den Mitarbeiter:innen des Apple-Zulieferers Foxconn in dessen Werken in China 2010 gesorgt. 

Zwar hat die Situation sich seitdem verbessert, doch Menschenrechtsorganisationen bemängeln weiterhin, dass die – oftmals ungeschulten – Arbeiter:innen in der IT-Produktion in Asien sich nicht in Gewerkschaften organisieren dürfen, zu viele Überstunden machen müssen und unter Bedingungen arbeiten, die ihre Gesundheit gefährden.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Schon bevor ein Gerät unter diesen Bedingungen hergestellt wird, steht eine lange Lieferkette, in der jedes Glied seine eigenen Probleme birgt: So wird der Umweltschutz bei der Produktion oftmals missachtet. In vielen der Minen für Kobalt, Gold oder Silber – alles Rohstoffe, die in unseren Elektrogeräten stecken – gibt es laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) Kinderarbeit.

1.000.000 Kinder

zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten nach Schätzung der ILO in Minen und Steinbrüchen. Die gewonnenen Rohstoffe landen auch in unseren Elektrogeräten.

Und was ist der Ansatz von Nager IT?

Gründerin Susanne Jordan hat früher als Rechercheurin für eine Öko-Rating-Firma gearbeitet. Dort stellte sie fest, dass viele Unternehmen ökologische und soziale Anforderungen nicht erfüllten. Das wollte die Geografin so nicht hinnehmen. 2009 gründete sie das Unternehmen Nager IT. Ihr Ziel: Elektrogeräte fair herzustellen.

Susanne Jordan die Gründerin von Nager IT steht neben einer Wand aus Holz
Man siehts: Nager IT kommt aus Bayern. Der Sitz des Unternehmens von Gründerin Susanne Jordan ist in Bichl, südlich von München.

„Susanne wollte an einem Beispiel zeigen, dass man Elektronik auch fair produzieren kann. Eigentlich wollte sie das mit einem fairen PC beweisen, doch es zeigte sich schnell, dass schon eine faire Maus jede Menge Herausforderungen bereithält“, erklärt Lena Becker, stellvertretende Produktionsleiterin von Nager IT. Sie vertritt Jordan, die sich gerade eine Auszeit nimmt. Zwar besteht die Computermaus aus weniger als 20 Bauteilen, 

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„Susanne wollte an einem Beispiel zeigen, dass man Elektronik auch fair produzieren kann. Eigentlich wollte sie das mit einem fairen PC beweisen, doch es zeigte sich schnell, dass schon eine faire Maus jede Menge Herausforderungen bereithält“, erklärt Lena Becker, stellvertretende Produktionsleiterin von Nager IT. Sie vertritt Jordan, die sich gerade eine Auszeit nimmt. Zwar besteht die Computermaus aus weniger als 20 Bauteilen, doch es dauerte ganze drei Jahre, bis Jordan es schaffte, diese unter halbwegs fairen Bedingungen zu einer Maus zusammensetzen zu lassen. 2012 gelang es ihr und sie brachte, so zumindest das Versprechen, „die erste faire Computermaus der Welt“ auf den Markt.

»Fair bedeutet für uns sozial nachhaltig. Wir versuchen auch ökologisch zu sein, aber unser Hauptziel ist Fairness in Bezug auf die Arbeitsbedingungen.«

Lena Becker, Nager IT

Die faire Maus kostet in der Basisvariante 29,99 Euro. Stellte das Unternehmen anfangs 5.000 Mäuse pro Jahr her, sind es mittlerweile 100.000. Seit 2019 beliefert Nager IT auch Ministerien und Behörden. Der erste Auftrag kam von der Polizei Niedersachsen, die 20.000 Mäuse bestellte. 2020 kaufte das Land Baden-Württemberg weitere 60.000.

Und wie fair ist die Maus?

Das haben wir uns natürlich auch gefagt! Flip-Autorin Virginia Kirst hat dazu ausführlich mit Lena Becker von Nager IT gesprochen. 

Die Produktion in Deutschland

Um die Arbeitsbedingungen  so gut wie möglich kontrollieren zu können, findet die Produktion der Maus vor allem in Deutschland statt: Das Gehäuse aus Biokunststoff und Spritzguss kommt aus Hannover, das Logo wird in Berlin aufgedruckt. Eine Besonderheit ist das Scrollrad ist aus Buchen- und Birkenholz aus Franken. Dadurch unterscheidet sich die faire Maus auch auf den ersten Blick von anderen Büromäusen.

So sieht sie aus: Die Maus von Nager IT mit dem Scoll-Rad aus Holz...
.. das hier, bei der Firma Hauck aus dem bayrischen Seßlach, gefertigt wird.

Die Montage und den Versand der Maus übernimmt die Retex Integrationswerkstatt in Regensburg. Die 1985 gegründete Werkstatt beschäftigt vor allem Menschen mit einer psychischen Behinderung. Sie sollen in Arbeit und Gesellschaft integriert werden. Retex spielt bei der Produktion der fairen Maus eine große Rolle. Allein bei der Stromversorgung sieht Nager IT noch Handlungsbedarf: „Mittelfristig möchten wir Retex überzeugen, Ökostrom bei der Produktion zu verwenden.“

Hier, in der Retex Integrationswerkstatt in Regensburg, wird die Maus montiert.

Probleme in der Lieferkette

Nager IT beauftragt zwar für die letzten Arbeitsschritte Betriebe in Deutschland. Doch: „Es wird immer schwieriger, fair zu sein, je weiter man die Lieferkette an den Anfang verfolgt“, so Becker. Nager IT veröffentlicht daher ein PDF der Lieferkette, auf dem Verbraucher:innen genau nachvollziehen können, wo die Arbeitsbedingungen bereits gut sind und wo es noch Probleme gibt. 

»Unsere Maus ist derzeit zu etwa 70 Prozent fair.«

Lena Becker, Nager IT

Vor allem im Bereich der Rohstoffhändler und verarbeitenden Betriebe am Anfang der Kette, wo die Gewinnung von Gold, Kupfer und Titan stehen, fehlen Informationen zu den Produktionsbedingungen. “Wir gehen davon aus, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit als ‘unfair’ bezeichnet werden müssen”, heißt es auf der Homepage von Nager IT.  Das allerdings will man, so gut es geht, ändern. „Wir sind zwar nur ein kleines Unternehmen, aber arbeiten ständig daran, unsere Maus noch fairer zu machen“, so Becker. 

Dafür versucht Nager IT seine direkten Zulieferer davon zu überzeugen, sich mit ihrer eigenen Lieferkette auseinanderzusetzen und diese auf Fairness zu überprüfen. Eine mühsame Aufgabe, doch das Lieferketten-Infogramm zeigt, dass Nager IT sich schon mit einem Großteil der Zulieferer im Austausch befindet und viele bereits besucht hat, um die Arbeitsbedingungen zu überprüfen.

Wie komplex schon die Lieferkette für eine simple Maus ist, zeigt diese Grafik. Bei allen Zulieferern für faire Bedingungen zu sorgen, ist eine Sisyphos-Arbeit.

Und was ist mit all den anderen Elektrogeräten?

Klar, eine Maus kann nur ein Anfang sein. Nager IT selbst hat bisher keine anderen Geräte im Sortiment. Vielmehr arbeitet das Unternehmen auch knapp zehn Jahre nach Markteinführung noch immer daran, zumindest die Maus fair hinzukriegen, was zeigt, wie komplex das Thema ist. Gründerin Jordan sieht Nager IT eher als ein Best-Practice-Beispiel, das die Brache inspirieren soll. Einige Ansätze gibt es schon, etwa die Smartphone-Hersteller Fairphone oder Shift. Doch insgesamt gibt es noch viel Luft nach oben. Und so hat Nager IT kürzlich ein dreiminütiges Erklärvideo auf Englisch veröffentlicht, das andere Menschen dazu aufruft, selbst ein faires Gerät herzustellen.

Everdrop - was sagen die Experten

Und was sagt die Expertin?

Johanna Sydow ist Referentin für Ressourcenpolitik und die IT-Branche bei der NGO Germanwatch, die sich für globale Gerechtigkeit einsetzt. Sie ist überzeugt: 

»Jordan hat mir ihrer fairen Maus Pionierarbeit geleistet: Es gab nichts Nachhaltiges in der ganzen Branche, darum hat sie es einfach selbst gemacht.«

Die Maus sei eindeutig die fairste Maus, die man in Deutschland derzeit kaufen könne. Sydow erzählt, dass Jordan sich gerade am Anfang der Unternehmensgründung oft mit Germanwatch ausgetauscht habe, daher kenne sie das Unternehmen gut. „Nager IT ist ein sehr lehrreiches Beispiel dafür, wie man mehr Kontrolle über seine Lieferkette bekommt.“ Gerade der Ansatz, sich Produzenten auszusuchen, die auch räumlich nah seien, sei effektiv. Zudem sei das Unternehmen transparent: „Sie sagen offen, wo es noch hakt.“

»Die Transparenz von Nager IT zeigt, dass es Gesetzgebung braucht, die kleinen Unternehmen mit guten Ansätzen hilft und die größeren deutlich stärker in die Verantwortung nimmt.«

Sydow hofft darauf, dass dies im EU-Lieferkettengesetz umgesetzt wird, über das die EU-Kommission in Brüssel derzeit berät. Seit Juni gibt es bereits ein deutsches Lieferkettengesetz, das allerdings nur für Betriebe mit mehr als 3000 Mitarbeiter:innen gilt. In Deutschland sind das bloß 900 Firmen. Für die “Initiative Lieferkettengesetz” weist das Gesetz noch zu viele Schwächen auf.

Und wie arbeitet es sich mit der Maus?

Unsere Autorin Virginia Kirst hat die faire Maus, die es bisher nur kabelgebunden gibt, getestet

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