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FLIP #33

Müssen Kryptowährungen so viel Strom fressen?

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Was Dich hier erwartet:


Was ist das Problem?

Die Kryptowährung Bitcoin ist ein Stromfresser. Sie verbraucht jährlich so viel Strom wie ganze Staaten. Der Großteil davon kommt aus billigen Kohlekraftwerken. Nur 39 Prozent des Bitcoin-Stroms stammt aus erneuerbaren Energien.

103 Terrawatt-Stunden

Strom vebraucht der Bitcoin laut Cambridge University jährlich. Damit verbraucht die digitale Währung mehr Strom als Finnland oder Belgien.

Und: Der Stromverbrauch des Bitcoins wird immer größer. Das hat damit zu tun, dass bei steigenden Kursen auch die benötigte Rechenleistung immer größer wird.

Die Entwicklung des Bitcoin-Stromverbrauchs seit 2017 (Grafik: Digiconomist.com)

Der Bitcoin verbraucht aber nicht nur Strom, er produziert auch jede Menge Elektroschrott. Weil die erforderliche Rechenleistung immer größer wird, bedarf es auch immer leistungsfähigerer Computer und Komponenten. Die alten landen oft im Müll.  Wissenschaftler haben berechnet, dass der Bitcoin für 30.700 Tonnen Elektroschrott pro Jahr verantwortlich ist. Schon eine einzelne Transaktion, also zum Beispiel der Kauf oder Verkauf eines Bitcoins, erzeugt rund 272 Gramm Elektroschrott.


Was ist der Ansatz von Cardano?

Die von Cardano etablierte Kryptowährung heißt ADA. Sie ist nach der bekannten Mathematikerin Ada Lovelace benannt worden, die im 19. Jahrhundert gelebt hat und als Pionierin des Programmierens gilt. Inzwischen ist ADA nach Marktkapitalisierung die drittgrößte Kryptowährung – hinter dem Bitcoin und Ethereum. Ähnlich bekannt aber ist sie nicht. So tippten in einer Umfrage in Großbritannien bei dem Begriff “Cardano” mehr Bürger:innen auf ein Schiff, ein Getränk oder eine Käsesorte als auf eine Kryptowährung.

Der Amerikaner Charles Hoskinson, Jahrgang 1987, hat Cardano gegründet. Noch denken viele Menschen beim Namen des Unternehmens allerdings eher an eine Käsesorte als an eine Kryptowährung.

Ins Leben gerufen wurde Cardano 2015 von Charles Hoskinson. Er war zuvor auch schon Mitgründer von Ethereum, verließ das Unternehmen aber nach Differenzen über die zukünftige Ausrichtung. “Das gesamte Ethereum-Ökosystem ist nicht nachhaltig”, hat Hoskinson später gesagt. Cardano soll nun anders sein. Nachhaltiger. Und vor allem weniger Energie verbrauchen. Dazu haben die Entwickler:innen einen neuen Algorithmus entwickelt, der deutlich energieeffizienter ist als der des Bitcoin.

»Bitcoin's Energieverbrauch wird immer schlimmer, weil die (...) Ineffizienz in der DNA des Bitcoins liegt.«

Charles Hoskinson, Cardano-Gründer zu "The Independent"

Während der Bitcoin noch mit der Proof-of-Work-Methode arbeitet, setzt Cardano auf ein Proof-of-Stake-System. Klingt kryptisch? Nun ja, es ist tatsächlich etwas komplex, aber das erklären wir gleich ganz in Ruhe. Vorweg sei nur gesagt, dass Cardano nicht das einzige Krypto-Unternehmen ist, das auf diese Methode setzt. Die erste Kryptowährung, die das System angewendet hat, war der sogenannte Peer-Coin. Cardano hat das Verfahren übernommen und weiterentwickelt. Dabei wurde es von verschiedenen Universitäten unterstützt. Aktuell ist Cardano die größte Proof-of-Stake-Währung.

Cardano (ADA-Coin) ist der Proof-of-Stake-Coin mit der größten Marktkapitalisierung. (Screenshot: coinmarketcap.com, 05. Oktober 2021)
Wie nachhaltig ist Cardano?

Was steckt drin und wie gut lässt sich die Pfanne recyceln? Darüber hat Flip-Autor Leander Löwe mit verschiedenen Experten gesprochen. Die Olav-Gründer:innen haben uns schließlich schriftlich geantwortet. Weil es kaum möglich ist, die ingesamt 17-seitigen Ausführungen in diesem Newsletter wiederzugeben, haben wir uns entschieden, das Dokument zur vollen Transparenz hier zum Download zur Verfügung zu stellen.
 

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Wie nachhaltig ist Cardano?

Cardano ist ein kompliziertes Konstrukt aus verschiedenen Organisationen. Dazu gehört auch die Cardano Stiftung im schweizerischen Zug. Sie soll die Weiterentwicklung des Coins und seines Netzwerkes überwachen. Chef der Stiftung ist der Däne Frederik Gregaard. Mit ihm hat Flip-Autor Leander Löwe sich ausgetauscht.

»Bei Proof-of-Stake wird der Wettbewerb durch ein anderes Verfahren angeregt, so- dass die CPU-Leistung und damit auch der Stromverbrauch deutlich reduziert wird.«

Frederik Gregaard, Cardano Stiftung

»Die neueren Coins der Proof-of-Stake-Methode sind ungefähr 10.000 mal energieeffizienter als Bitcoins.«

Roger Wattenhofer, ETH-Zürich

2. Mehr als nur eine Währung
Im Gegensatz zum Bitcoin will Cardano mehr sein als nur ein Zahlungsmittel. Im Rahmen von sogenannten Smart Contracts, die Cardano mit anderen Unternehmen schließt, sollen zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten geschaffen werden. Sie beruhen auf derselben Technologie wie die Kryptowährung, verfolgen aber ganz andere Zwecke. So können mit der Cardano-Blockchain zum Beispiel Lieferketten von Unternehmen überprüft werden. Der Trick: In jedem Glied der Lieferkette werden die Informationen sofort erfasst, sind für alle anderen Handelspartner einsehbar und können hinterher nicht mehr verändert werden. Bei einem australischen Spirituosenhersteller, der die Cardano-Technologie nutzt, werden etwa auf jeder Stufe der Lieferkette die Inhaltsstoffe erfasst. Damit will er sicherstellen, dass keine gefährlichen oder minderwertigen Zutaten in den Flaschen landen. Die Verbraucher:innen können das selbst überprüfen, in dem sie einen Code auf den Flaschen scannen. Grundsätzlich kann mit der Technologie auch überprüft werden, ob ökologische und soziale Standards eingehalten werden.

3. Verwaltung statt Anarchie
Beim Bitcoin herrscht – kurz gesagt – Anarchie. Er wird durch keine zentrale Instanz kontrolliert. Bei Cardano ist das anders. Die Kryptowährung wird von der Cardano Stiftung beaufsichtigt.

Er behält den Überblick über die Cardano-Coins: Frederik Gregaard ist der CEO der Cardano Stiftung (Foto: Cardano Foundation)

»Wir stellen die Leitlinien, die Beaufsichtigung und Supervision für das Cardano-Ökosystem, damit es das zukünftige finanzielle und soziale Betriebssystem für kommende Generationen wird.«

Frederik Gregaard, Cardano Stiftung

Im Kern funktioniert Cardano nach einem demokratischen Prinzip. Jede:r, der oder die die Währung besitzt, kann mit darüber abstimmen, in welche Richtung sich das Netzwerk entwickeln soll. Dafür gibt es eine extra Voting-App. Von der Stiftung selbst kommen aber auch immer wieder Impulse. So setzt Cardano derzeit eine “Global Impact Challenge” um. Wer will, kann einen Coin spenden. Dafür wird dann ein Baum gepflanzt.

Everdrop - was sagen die Experten

Und was sagt der Experte?

»Ich würde mir wünschen, dass der Besitz von Bitcoins stärker geächtet wird. An den Problemen der Währung wird sich nichts ändern. Da kann man nur hoffen, dass sie einen schnellen Tod stirbt.«

Roger Wattenhofer, ETH Zürich

Trotzdem würde er niemanden davon abhalten wollen, in Kryptowährungen zu investieren. Solange sie mit der Proof-of-Stake-Methode arbeiten – und nicht mit der Proof-of-Work-Methode wie der Bitcoin.

»99,99 Prozent der Energie geht im Moment in das Proof-of-Work. Coins, die mit Proof-of-Stake arbeiten, sind kein Skandal.«

Roger Wattenhofer, ETH Zürich

Und wie fühlt es sich an, in Cardano zu investieren?

Unser Autor Leander Löwe hat sich zwanzig Cardano-Coins gekauft. 

Hier könnt Ihr seine Sprachnachricht hören:

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